"Nennt es, wie Ihr wollt,
                  aber vergesst nicht, wie es war!"

(Richard Schröder in seiner Rede bei der Nationalpreisverleihung 2009 zur Diskussion über den Begriff "Unrechtsstaat DDR")

Deutscher Nationalpreis 2009 für Erich Loest, Monika Maron und Uwe Tellkamp

Im 20. Jahr des Mauerfalls würdigt die Deutsche Nationalstiftung drei Persönlichkeiten aus drei Generationen, die ihre unterschiedlichen DDR- Erfahrungen beispielhaft literarisch verarbeitet haben. Ihre literarischen Zeugnisse der erlebten Teilung Deutschlands sind Beispiele für eine differenzierte Erinnerung. Die Preisträger wirken dem Vergessen dieses Teils der deutschen Geschichte ebenso entgegen wie nostalgischer Verklärung der früheren DDR.

Eine Nation braucht Erinnerung an ihre gemeinsame Geschichte. Mit ihrem jeweiligen Werk fördern die Preisträger die Bereitschaft, sich unvoreingenommen mit den unterschiedlichen Biographien anderer zu befassen, um diese zu entschlüsseln und zu verstehen.

Schon die Pressekonferenz vom 18. März 2009 zur Ankündigung der Preisverleihung (Pressemitteilung Nationalpreis 2009 vom 18.3.09) und Darlegung der Auswahlmotive fand ein sehr großes öffentliches Interesse.

An der Preisverleihung am 16. Juni im Deutschen Nationaltheater in Weimar nahmen in Anwesenheit von Helmut Schmidt als Gründer der Deutschen Nationalstiftung über 500 Gäste aus ganz Deutschland teil. Die musikalische Umrahmung übernahmen mit großem Können Solistinnen des Musikgymnasiums Schloss Belvedere aus Weimar (www.musikgymnasium-belvedere.de)

In seiner Begrüßungsrede würdigte Stefan Wolf als Oberbürgermeister und zugleich Kuratoriumsmitglied der Deutschen Nationalstiftung die internationale Symbolkraft Weimars mit seinen historischen Höhen und Tiefen und erinnerte daran, dass die Stiftung gerade deshalb in Weimar gegründet wurde.

Prof. Dr. Richard Schröder ging als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung in seiner Einleitungsrede vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen auf die Schwierigkeit ein, die DDR korrekt zu erinnern. Er setzte sich differenziert mit der Diskussion über den Begriff des "Unrechtsstaates DDR" auseinander. Die Menschen in der DDR hätten unter schwierigen Bedingungen große Leistungen erbracht. Darauf könnten sie stolz sein, aber nicht auf die Schwierigkeit der Bedingungen. Mit dem Wort "Nennt es, wie Ihr wollt, aber vergesst nicht, wie es war!" hob er den Beitrag der Preisträger hervor, einen Zugang zur DDR-Wirklichkeit zu gewinnen.

In seiner Laudatio verwies Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Kurt Biedenkopf als Senatspräsident der Nationalstiftung auf die Verständnisunterschiede von West- und Ostdeutschen und kritisierte die Wahrnehmung der Lebensverhältnisse nur mit westlichen Maßstäben. Er forderte die Schulen dazu auf, die Lücken im gegenseitigen Verständnis zu schließen und empfahl, sich dabei der Werke der drei Preisträger zu bedienen.

Monika Maron sprach im Namen aller drei Preisträger über den Dank der Preisträger und betonte, das es sich beim Nationalpreis nicht um einen klassischern Literaturpreis handelt, sondern um einen im allgemeinen Sinn politischen Preis. Sie nahm diesen Dank zum Anlass, Bücher von ostdeutschen Autoren nicht mit dem Begriff "DDR-Literatur" literarisch zu kategorisieren. Die DDR sei das Ergebnis der gemeinsamen deutschen Geschichte und die dort geschriebene Literatur sei deutsche Literatur. Nicht die Erklärung der DDR sei das Ziel des Schreibens gewesen, sondern die Erzählung von Menschen und ihren Reaktionen auf bestimmte Konstellationen.

Siehe auch Pressemeldung vom 15.6.2009

Die Preisträger: Erich Loest (geb. 1926) nahm noch am Kriegsgeschehen teil und trat 1947 der SED bei. Er war Vorsitzender des Schriftstellerverbandes der DDR in Leipzig und wurde 1957 wegen Kritik an der herrschenden Parteilinie zu 7 ½ Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane "Nikolaikirche", "Durch die Erde ein Riß" und "Löwenstadt". Erich Loest ist Ehrenbürger von Mittweida und Leipzig und Inhaber hoher polnischer und deutscher Auszeichnungen.

Monika Maron (geb. 1941) wuchs im kommunistischen Umfeld ihrer Mutter und ihres Stiefvaters Maron auf, des Innenministers der DDR von 1955 bis 1963. Die Theaterwissenschaftlerin und Journalistin wurde früh Mitglied der SED, aus der sie 1978 nach lange aufgebauten Konflikten austrat. Mit ihrem unabhängigen Geist und ihrer Zivilcourage erwies sie sich als unbrauchbar für Stasidienste. In der DDR erhielt sie Druckverbot. In ihren Werken geht es Monika Maron um das Verstehen des Individuums in seinen gesellschaftlichen und geschichtlichen Beziehungen. Besonders bekannt sind die Werke "Flugasche", "Stille Zeile 6", "Die Überläuferin", "Pawels Briefe" und "Quer über die Gleise".. Monika Maron ist mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet worden.

Uwe Tellkamp (geb. 1968) wuchs in Dresden auf und ging nach dem Abitur zur Nationalen Volksarmee, wo er wegen des Besitzes von Texten u.a. von Wolf Biermann und Erasmus von Rotterdam der "politischen Diversantentätigkeit" beschuldigt wurde und seinen in Aussicht gestellten Studienplatz als Mediziner verlor. Nach der Wiedervereinigung studierte er Medizin, begann als Arzt zu schreiben und erhielt mehrere Literaturpreise. Für seien im Dresdner Bildungsbürgertum spielenden und bekanntesten Roman "Der Turm" wurde er u.a. 2008 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

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