Pressemitteilung - Hamburg/Frankfurt an der Oder, den 14. Juni 2001

Nationalpreis erstmalig an verdiente Europäer - Tadeusz Mazowiecki und Joseph Rovan

Die Deutsche Nationalstiftung, Weimar, ehrt die beiden Politiker für ihren besonderen Einsatz für den Dialog zwischen Polen, Frankreich und Deutschland

Hamburg/Frankfurt an der Oder – Die 1993 von Helmut Schmidt und Freunden gegründete Deutsche Nationalstiftung hat am 14. Juni 2001 in der Europa Universität Viadrina den mit 150.000 DM dotierten Nationalpreis 2001 an Tadeusz Mazowiecki und Prof. Dr. Joseph Rovan vergeben.

Joseph Rovan empfand den Preis als Bestätigung dafür, dass er richtig gehandelt habe als er aus Dachau nach Frankreich zurückkommend, beschlossen habe, an der Wiederherstellung und Erneuerung eines demokratischen Deutschlands mitzuwirken.

Tadeusz Mazowiecki erinnerte daran, wie schwer es nach dem Weltkrieg die Idee der Versöhnung in Europa hatte. Er unterstrich, dass die schließlich angebahnte Versöhnung das Werk mehrerer aufrechter Persönlichkeiten sei.

Die Preisträger werden je einen Teil des Preisgeldes der völkerverbindenden Nachwuchsarbeit zukommen lassen; Herr Mazowiecki zugunsten des deutsch-polnischen Studentenaustausches, Herr Rovan für eine Tagung zur französisch-deutsch-polnischen Jugendarbeit.

Beide riefen zu weiteren, beständigen trilateralen Unternehmungen auf – „unsere Länder sollten noch mehr aus dem Weimarer Dreieck machen, zugunsten des gemeinsamen Europa“!

In seiner Laudatio bezeichnete Prof. Dr. Fritz Stern, New York, »den neuen Geist, die neue Wirklichkeit Europas, als kaum vorstellbare Errungenschaften«. Diese seien von einzelnen Menschen erkämpft worden, von Persönlichkeiten wie den beiden Preisträgern.

Joseph Rovan beschrieb er als »unermüdlichen Aufklärer«, der sich stets mit Energie und Scharfsinn für das Fundament des neuen Europa eingesetzt habe; Tadeusz Mazowiecki wiederum und seine Streitgenossen hätten ihrer Nation den Weg zur Selbstbefreiung ermöglicht und damit dem geteilten Europa, dem geteilten Deutschland, eine Chance geboten: »Die heutigen Preisträger (...) werden auch in der Zukunft dem historischen Gewissen Europas als Vorbild dienen. Die freie Gesellschaft, die sie sich erhofft haben, braucht Vorbilder politischer Vernunft, unbeugsamen Anstands und gemeinnütziger Tatkraft«, so Stern in seiner Laudatio.

Zudem warnte er vor den Gefahren, die das neue Europa bedrohten: Die schrittweise Integration Europas schüre eine Gegen-Reaktion, in vielen Ecken wachse ein neuer Nationalismus, eine Ausländerfeindlichkeit. Am Rande seiner Laudatio ging Stern auch auf die für ihn notwendige Osterweiterung der Europäischen Union ein, die er als »politisch-moralischen Imperativ« bezeichnete.

»Dass es heute ein Europa gibt, in dem Kriege zwischen Großmächten unvorstellbar sind – dies ist ein Novum in der Geschichte Europas, das man nicht als Selbstverständlichkeit betrachten darf. Wir sind in kollektiver Dankbarkeit ungeübt, wir sollten uns der neu geschaffenen Chance bewusst sein und uns ihren Gründern gegenüber verpflichtet fühlen. Wahrung und Ausbau des Errungenen bedarf weiteren Einsatzes unter weniger dramatischen Umständen« so Stern in seinem Appell an die über 350 vorwiegend jüngeren Zuhörer in der Europa Universität Viadrina.

Mit dem Nationalpreis zeichnet die Stiftung Menschen aus, die einen Beitrag für das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten Teile Deutschlands und für die Entfaltung der Beziehung zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn geleistet haben. Der Preis wird in der Regel jährlich vergeben. Bisherige Preisträger sind die Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden um Ludwig Güttler (1997), der Liedermacher Wolf Biermann (1998), der Kunstmäzen Prof. Dr. Heinz Berggruen und der langjährige Präsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle/Saale, Prof. Dr. Heinz Bethge (1999) sowie die Erstunterzeichner der Gründungserklärung des Neuen Forums (2000).

Für nähere Auskünfte steht Ihnen Christine Neuhaus (0049-40-41336-701) zur Verfügung.


Die Deutsche Nationalstiftung wurde 1993 gegründet. Ziel der Stiftung ist es, die Vereinigung der Deutschen und ihre kulturelle Identität in Europa zu fördern. Darüber hinaus nimmt die Deutsche Nationalstiftung zu drängenden Fragen der Gegenwart und Zukunft Stellung. Ihrem Vorstand gehören an: Dr. Klaus Asche, Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, Prof. Dr. Reimar Lüst, Prof. Kurt Masur und Helmut Schmidt. Das Kuratorium wird geleitet von Dr. Ulrich Cartellieri, der Senat von Prof. Dr. Richard Schröder.


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