Seit mehr als 30 Jahren bringt das Europäische Jugendparlament junge Menschen aus allen Ecken des Kontinents zusammen. In gemeinsamen Parlamentssimulationen lernen sie, wie politische Teilhabe funktioniert, und schließen Freundschaften. Weil es sich damit wirksam für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa einsetzt, hat die Deutsche Nationalstiftung nun das Europäische Jugendparlament in Deutschland e.V. (EJP) mit ihrem Förderpreis 2021 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 € dotiert.

Die politische Polarisierung in Europa nimmt zu, Rechtspopulismus und Europazweifel sind auf dem Vormarsch. Zu den Organisationen, die sich dieser Entwicklung entgegenstemmen, gehört das Europäische Jugendparlament. Mit seinen Parlamentssimulationen fördert es das Demokratie- und Politikverständnis junger Menschen und macht das Konstrukt Europa greifbar. Gleichzeitig schafft das EJP eine überparteiliche Diskussionsplattform, die den politischen Meinungen, Ängsten und Visionen junger Menschen Gehör verschafft.

Seit 1990 richtet sich das EJP mit mittlerweile drei Programmlinien an junge Menschen von 15 bis 25 Jahren aus ganz Europa. In bis zu 14 Parlamentssimulationen im Jahr diskutieren sie aktuelle EU-politische Herausforderungen und entwickeln eigene Lösungen. Wie die echten politischen Debatten orientieren sich die Simulationen an den Abläufen im Europäischen Parlament, die jungen Delegierten finden sich zum Beispiel in der Ausschussarbeit oder in Plenarsitzungen wieder. Ihre Resolutionen geben sie direkt an politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger weiter – ein starker Ansporn. Dass die Simulationen seit 1990 stattfinden, ist vor allem dem Engagement Jugendlicher und junger Erwachsener zu verdanken – sie organisieren und koordinieren sämtliche Projekte in ihrer Freizeit. Der Verein „Europäisches Jugendparlament in Deutschland e.V.“ ist eine von 40 nationalen Organisationen in Europa, ihre gemeinsame Schnittstelle ist der Dachverband des European Youth Parliament (EYP). Den Höhepunkt der Aktivitäten bilden die internationalen Sitzungen des EYP. Aber auch mit den nationalen Vorentscheiden und weiteren Diskussionsforen haben die Freiwilligen alle Hände voll zu tun.

Zu den jungen Menschen, deren Leben das EJP nachhaltig verändert hat, gehört Tim Kniepkamp. Der Jurastudent nahm 2017 selbst am EJP teil, heute ist er ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins. Für ihn macht neben der politischen Teilhabe vor allem die Gemeinschaft unter den Teilnehmenden den Reiz des EJP aus. „Hier entstehen europäische Freundschaften, die jahrelang halten. Dieser persönliche Kontakt stärkt das gegenseitige Verständnis und eine europäische Identität“, so Kniepkamp. „Nachforschungen bei unseren Alumni-Treffen haben ergeben, dass sich sogar mehrere Paare durch Begegnungen beim Jugendparlament gefunden haben – selbst EJP-Babys gibt es mittlerweile.”

Bildquelle: Europäischen Jugendparlament in Deutschland e.V.

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