Bei den „Weimarer Gesprächen“ diskutierten Expertinnen und Experten aktuelle Studienergebnisse über die deutsche Einwanderungsgesellschaft.

Hamburg / Weimar, 30. August 2022 – Drei Viertel der Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich mit Deutschland verbunden. Über die Hälfte erlebt jedoch Benachteiligungen in wesentlichen Lebensbereichen. Das ergab die Studie „Zusammenwachsen in der Einwanderungsgesellschaft“, die anlässlich der Weimarer Gespräche von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde.

Oberbürgermeister Peter Kleine sagte zur Eröffnung der von der Deutschen Nationalstiftung und Bertelsmann Stiftung initiierten Weimarer Gespräche heute im Festsaal des Goethe Nationalmuseums in Weimar: „Die Studienergebnisse machen Mut für die Zukunft, zeigen aber, dass auch die Politik sich im Ringen um ein positives Miteinander nicht ausruhen darf. Steigerung von Repräsentation und die Vereinfachung von bürokratischen Prozessen sind mögliche Ansatzpunkte. Es ist unerlässlich, dass wir darüber weiter im Gespräch bleiben und ich freue mich, dass Weimar dafür das Podium bietet.“ Ferda Ataman, Unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung und Aydan Özoğuz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft erörterten im Anschluss, wie die Rahmenbedingungen für das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland weiterentwickelt werden müssen.

Stark verbunden, aber strukturell benachteiligt
Die neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Verbundenheit mit Deutschland bei Menschen mit Migrationshintergrund fast so ausgeprägt (75 Prozent) ist wie bei Menschen ohne Migrationshintergrund (80 Prozent). Allerdings gibt es Anzeichen für Benachteiligung. Über die Hälfte der Befragten mit Migrationshintergrund gibt an, dass es für sie deutlich schwieriger sei, beispielsweise eine Wohnung zu bekommen, einen Arbeitsplatz zu finden oder einen guten Bildungsabschluss zu erwerben. Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, forderte bei den Weimarer Gesprächen daher: „Jeden Tag erleben Menschen in Deutschland Diskriminierung. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Rechte kennen und wissen, was sie dagegen tun können. Deutschland hat in Sachen Antidiskriminierungspolitik noch viel aufzuholen und ich bin froh, dass die Politik das endlich mit Reformen angehen will.“

Vereinfachte Einbürgerung könnte mehr Teilhabe ermöglichen
Die Studie zeigt auch, dass Menschen mit deutschem Pass sich seltener benachteiligt fühlen und der Status als Staatsbürgerin oder Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten im Erleben der Menschen einen positiven Unterschied macht. Aydan Özoğuz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sagte dazu: „Deutschland ist ein Einwanderungsland und rechtliche Gleichstellung ist einer der wichtigsten Schlüssel für gelungene Integration. Menschen, die bereits Teil unserer Gesellschaft sind, brauchen klare Perspektiven.“

Von gesellschaftlicher Ambivalenz zu mehr Normalität
Zum Selbstverständnis als Einwanderungsland und Einwanderungsgesellschaft ergibt die Studie ein ambivalentes Bild. Zwar stimmen 77 Prozent aller Befragten der Aussage zu, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Allerdings erlebt nur etwas über die Hälfte die Einwanderung als Bereicherung. Darauf nahm Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin Verband deutscher Unternehmerinnen e. V. Bezug: „Von Einwanderung profitieren Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Es ist wichtig, dass die Vorteile und Chancen noch stärker sichtbar werden und zum Tragen kommen können.“ Die Studie zeigt auch, dass junge Menschen offener gegenüber Vielfalt sind. Studienautorinund -autor Dr. Ulrike Wieland und Dr. Kai Unzicker von der Bertelsmann Stiftung halten daher  Fortschritte beim weiteren Zusammenwachsen für wahrscheinlich. „Die heute jungen Menschen wachsen bereits mit mehr Vielfalt auf, erleben sie als Alltag. Das spricht dafür,dass die Einwanderungsgesellschaft in Zukunft insgesamt stärker als Normalität empfunden und mit mehr Gelassenheit betrachtet werden könnte“, so Ulrike Wieland, Expertin für gesellschaftlichen Zusammenhalt bei der Bertelsmann Stiftung. Weimarer Gespräche als klare Positionierung zur

Einwanderungsgesellschaft
Die neue Veranstaltungsreihe „Weimarer Gespräche“ sieht die Deutsche Nationalstiftung als eine wichtige Plattform an, um das gesellschaftliche Zusammenwachsen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund voranzubringen. „Das Ziel von Politik und Gesellschaft muss sein, das Zusammenleben so zu gestalten, dass wir uns selbstbewusst als Einwanderungsgesellschaft verstehen“, so Dr. Agata Klaus, Geschäftsführerin der Deutschen Nationalstiftung. „Ein Austausch auf Basis von aktuellen Daten und mit Gesprächspartnerinnen und -partnern, die wesentliche Perspektiven einbringen, gibt dazu hilfreiche Impulse.“

Über die Studie „Zusammenwachsen in der Einwanderungsgesellschaft“
Für die Studie wurden im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom 20. Juni bis zum 5. Juli 2022 online 2.613 Personen ab 18 Jahre auf Deutsch befragt. Die Auswahl der Befragten erfolgte quotiert nach Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Bundesland und Bildungsgrad. Medienvertreterinnen und Medienvertreter können die Studie „Zusammenwachsen in der Einwanderungsgesellschaft. Wie denkt die Bevölkerung über Teilhabe, Verbundenheit und Zugehörigkeit?“ hier herunterladen: www.bertelsmann-stiftung.de/zusammenwachsen

Über die Deutsche Nationalstiftung
Die überparteiliche, unabhängige und gemeinnützige Deutsche Nationalstiftung wurde 1993 vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung gegründet. Begründet wurde die Stiftung von Altbundeskanzler Helmut Schmidt gemeinsam mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sowie engen Weggefährten. Der Name der Stiftung bringt die Absicht zum Ausdruck, den Nationalbegriff nicht den Nationalisten zu überlassen. Neben der Vergabe des Nationalpreises fördert die Stiftung unter anderem europäische Jugendprojekte, veranstaltet Diskussionsveranstaltungen und gibt jährlich die „Berichte zur Lage der Nation“ heraus. Weitere Informationen: www.nationalstiftung.de Über die Bertelsmann Stiftung: Menschen bewegen. Zukunft gestalten. Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, dass alle an der Gesellschaft teilhaben können – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Unsere Programme: Bildung und Next Generation, Demokratie und Zusammenhalt, Digitalisierung und Gemeinwohl, Europas Zukunft, Gesundheit, Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft. Dabei stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt. Denn die Menschen sind es, die die Welt bewegen, verändern und besser machen können. Dafür erschließen wir Wissen, vermitteln Kompetenzen und erarbeiten Lösungen. Die gemeinnützige Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de

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Mann beißt Hund – Agentur für Kommunikation
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Zur Studie
Dr. Ulrike Wieland
Project Manager, Bertelsmann Stiftung
Tel: +49 5241 81-81398
E-Mail: ulrike.wieland@bertelsmann-stiftung.de

Dr. Kai Unzicker
Senior Project Manager, Bertelsmann Stiftung
Tel: +49 5241 81-81405
E-Mail: kai.unzicker@bertelsmann-stiftung.de

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